Apollo 11 (AS 506)
Kommandant:
Neil Armstrong
Pilot der Kommandokapsel:
Michael Collins
Pilot der Mondfähre:
Edwin Aldrin
Name der Kommandokapsel: Columbia
Name der Mondfähre: Eagle
Am 16. Juli 1969 begann eines der größten Abenteuer der
Menschheit: Die Landung von Menschen auf dem Mond. Ca. 1 Millionen Zuschauer
haben sich in Brevard Country eingefunden, um den Start von Apollo 11 mit
den Astronauten Niel Armstrong, Michael Collins und Edwin Aldrin direkt
mitzuerleben.
Pünktlich um 9.32 Uhr amerikanischer Ostzeit hob die
Saturn V von der Rampe 39 A ab. Nachdem die erste
und zweite Stufe der Rakete ausbrannten, arbeitete die 3. Stufe noch
zweieinhalb Minuten lang, bis der Bordcomputer sie nach erreichen der
Umlaufbahn abschaltete. In den folgenden 2 Stunden und 20 Minuten wurden die
Bordsysteme überprüft und die Vorbereitungen für die zweite Zündung der
dritten Stufe getroffen. Durch diese Zündung wird das Raumschiff aus seine
Umlaufbahn geschoben. Weitere 24 Minuten später war es dann soweit: Nach
anderthalb Erdumläufen zündete das Triebwerk, brachte Apollo 11 auf
Fluchtgeschwindigkeit und setzte den genauen Kurs zum Mond. Ab 12.48 Uhr (3
Stunden und 16 Minuten nach dem Start) erfolgten die Manöver, die bei Apollo
9 in der Erdumlaufbahn und bei Apollo 10 in der Kursbahn zum Mond erprobt
wurden:
Trennung des Raumschiffs "Columbia" von der 3. Stufe, in
der sich die Mondfähre befindet.
Drehung des Raumschiffs um 180 Grad bei einem Abstand von
30 Meter.
Annäherung an die dritte Stufe bzw. Mondfähre "Adler".
Ankopplung der Mondfähre.
Nachdem Collins den Kriechtunnel zwischen den beiden Fahrzeugen mit Luft
unter Druck gesetzt hatte und einige Bordsysteme der Mondfähre in Betrieb
nahm, zog er diese mit Hilfe der Steuerdüsen um 13.42 Uhr aus der dritten
Stufe heraus. 30 Minuten später erfolgte ein Ausweichmanöver mit der dritten
Stufe, indem Collins das Triebwerk des Versorgungsmoduls für ca. 3 Sekunden
zündete. Anschließend wurde das Raumschiff in eine Drehung um die Längsachse
versetzt, um eine einseitige Erwärmung durch die Sonne zu verhindern. 13
Stunden und 30 Minuten nach dem Start durften die Astronauten eine
Schlafpause einlegen. So bereiteten sie sich auf die Nachtruhe vor und
schliefen eine halbe Stunde später ein.
Am zweiten Tag, um 10.30 Uhr (25 Stunden nach dem Start),
hatte Apollo 11 die Hälfte der Strecke (192000 km) zurückgelegt. Um 12.17
Uhr (26 Stunden und 45 Minuten nach dem Start) wurde eine Kurskorrektur
vorgenommen, und zwar so genau, dass die zwei nächsten Korrekturen entfallen
konnten. Nach einer Überprüfung der Bordsysteme und einigen
Navigationsmessungen, wurde in den Abendstunden eine von mehreren
Fernsehübertragung gesendet. Das Raumschiff hatte eine Strecke von 230000 km
zurückgelegt, als um 22.32 Uhr eine weitere Schlafperiode für die
Astronauten begann.
Zwei Tage später, am Samstag den 19. Juli 1969 um 13.10
Uhr betrug die Entfernung zum Mond nur noch 788 km. Am Vortag waren
Armstrong und Aldrin noch in die Mondfähre übergewechselt, um die Systeme
und Instrumente zu überprüfen. Es ist 13.13 Uhr (75 Stunden und 41 Minuten
nach dem Start), als Apollo 11 hinter dem Mond verschwindet und die
Funksignale ausbleiben. Die Kombination Mondfähre-Mutterschiff fliegt nun
rückwärts, als um 13.20 Uhr das Haupttriebwerk für eine erste Abbremsung
gezündet wird. Apollo 11 befindet sich nun in einer elliptischen Bahn. Um
eine nahezu kreisrunde Umlaufbahn zu erreichen wird das Triebwerk ein
zweites mal gezündet. Nach diesem erfolgreichen Manöver fliegt Apollo 11 nun
in einer Höhe von 90 bis 121 km über der Mondoberfläche.
Es ist der 20. Juli 1969, der Tag der Landung auf dem
Mond. Um 8.52 Uhr (95 Stunden und 20 Minuten nach dem Start) wechseln Edwin
Aldrin und Niel Armstrong in die Mondfähre über. Navigations- und
Kommunikationssysteme, Luftversorgung und Klimaanlage werden überprüft. Vier
Stunden später werden die Landebeine ausgefahren. Dann, um 13.45 Uhr erfolgt
die Trennung der Mondfähre von der Kommandokapsel. Langsam entfernen sich die
Raumfahrzeuge voneinander.
Um 15.08 Uhr (101 Stunden und 36 Minuten nach dem Start) beginnt das
Abstiegsmanöver der Mondfähre. Das Triebwerk zeigt nun in Flugrichtung und
wird für ca. 30 Sekunden gezündet. Dadurch wird die Fähre in eine
elliptische Bahn geschoben und nähert sich immer mehr der Mondoberfläche.
Beide Manöver, die Trennung und der Abstieg, finden hinter dem Mond statt.
Um 16.00 Uhr gibt es Schwierigkeiten mit der Sprechverbindung. Es wird
empfohlen die Fähre um 10 Grad nach rechts zu schwenken. Fünf Minuten später
erfolgt die zweite Zündung für den Abstieg. Gleichzeitig wird ein Radar
eingeschaltet, mit dessen Hilfe die Mondfähre automatisch landen soll. Nach
3 Minuten und 39 Sekunden Brenndauer beträgt die Höhe zur Mondoberfläche 14
km. Der Landeplatz liegt noch 231 km entfernt. Etwas später - die Höhe liegt
jetzt bei 8230 m - löst der Computer die Alarmmeldungen Nr. 1201 und 1202
aus. Der Computer ist überlastet. Dennoch bestätigt Houston, dass die
Meldungen ignoriert werden können. 8 Minuten und 26 Sekunden nach der
Zündung liegt die Höhe bei 2300 m und die vom Computer berechnete
Landestelle ist zum ersten Mal sichtbar. Da sich dort aber ein großen Krater
befindet, muss Armstrong die Fluglage von Hand korrigieren und der Computer
eine neue Landestelle berechnen. Wegen der Alarmmeldungen verzögern sich
aber die Berechnungen. Die Mondfähre sinkt weiter. Bei 150 m Höhe ist die
Landestelle ca. 600 m entfernt. Das Landemanöver droht problematisch zu
werden. Ihm stehen noch für 85 Sekunden Treibstoffreserven zur Verfügung.
Bis zur völligen Entleerung des Tanks dauert es noch ca. 114 Sekunden. Da
die vom Computer ermittelten Werte zu einer Landung in den zerklüfteten
Krater führen würde, muss Armstrong nach einer besseren Landestelle Ausschau
halten. Der Treibstoffvorrat wird knapp.
Er greift in die halbautomatische Steuerung ein und fliegt mit einer höheren
Geschwindigkeit als geplant über den Krater hinweg. Die Flugkontrolle
übermittelt erste Treibstoffwarnungen. Der Pulsschlag von Armstrong steigt
auf 156 Schläge pro Minute. Nachdem die Mondfähre den Krater hinter sich
gelassen hat, liest Aldrin die Höhe und die Sinkgeschwindigkeit von den
Instrumenten ab. Bei 1,70 m leuchten Signallampen auf, die den Kontakt der
Fühlsonden mit dem Boden anzeigen. Zwei Sekunden später wird das Triebwerk
abgestellt. Eine weitere Sekunde später setzt die Fähre auf und Armstrong
übermittelt die Nachricht zur Flugkontrolle:
"Hier Basis Tranqullitatis, der Adler ist gelandet".
("Tranquility Base here. The Eagle has landed")
Es ist 16.17 Uhr, 102 Stunden und 45 Minuten nach dem
Start. Noch ist nicht sicher, ob die beiden Astronauten bleiben dürfen. Als
nächstes erfolgt die technische Überprüfung der Geräte. Eineinhalb Stunden
später erfolgt die Nachricht aus Houston: Ihr könnt bleiben, der Ausflug auf
dem Mond ist genehmigt, und zwar vier Stunden früher als geplant. Um 19.43
Uhr legen Neil Armstrong und Edwin Aldrin ihre Raumanzüge an. Dieser Vorgang
dauert zwei Stunden, 40 Minuten länger als geplant. Die Sauerstoffzufuhr
erfolgt jetzt aus dem Tornister auf den Rücken der Astronauten. Nachdem
nochmals alle Geräte überprüft sind, wird ein Ventil geöffnet und die
Atmosphäre im inneren der Mondfähre entweicht nach draußen. Um 22.39 Uhr
öffnet Neil Armstrong die Luke der Fähre. Kniend und mit den Füßen voran,
kriecht er vorsichtig auf den Balkon der Mondfähre. Dabei achtet Aldrin
darauf, dass Armstrong nicht mit seinem Tornister anstößt. Dann beginnt der
Abstieg an der Leiter. Auf der zweiten Stufe angekommen, betätigt er ein
Seil, das eine Fernsehkamera ausfahren lässt. Das Bild steht zunächst auf
den Kopf, einige Sekunden später sieht man Armstrong aber richtig herum im
inneren des Landetellers stehen. Noch hat er mit seinen Füßen den Mondboden
nicht berührt. "Ich bin jetzt am Fuß der Leiter", sagt er. "Die Fußteller
sind nur 3 - 5 Zentimeter eingesunken. Aus der Nähe betrachtet, erscheint
die Oberfläche feinkörnig wie Pulver. Ich steige jetzt vom Landemodul
herunter."
Es
ist 22.56 Uhr und 109 Stunden, 20 Minuten nach dem Start. Neil Armstrong
betritt mit dem linken Fuß als erster Mensch den Mond und richtet wohl den
bekanntesten Satz in der Raumfahrtgeschichte an die Welt:
"Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die
Menschheit".
("That is one small step for a man, one giant leap for
mankind")
Er hält sich zunächst noch an der Leiter fest, um
festzustellen, ob er sein Gleichgewicht halten kann. Er sagt: "Die
Oberfläche ist fein und pulverig. Ich kann sie mit der Schuhspitze abheben,
sie klebt in mehreren Schichten an meinen Stiefeln." Nachdem er sicherer
geworden ist, wagt er seine ersten Sprünge. Mit einer Kamera macht er erste
Fotografien und sammelt mit Hilfe einer Schaufel Staub- und Gesteinsproben
ein, die er in einem Behälter deponiert.
15 Minuten nachdem Armstrong die Mondfähre verlassen hat - um 23.11 Uhr -
kriecht Aldrin durch die Luke der Mondfähre auf die Leiter. Als er unten
ankommt, hält er sich an ihr fest und springt nochmals auf die erste Stufe
zurück. Dann betritt er als zweiter Mensch den Mond. Anschließend
inspizieren Armstrong und Aldrin die Mondfähre und stellen fest, dass das
Triebwerk keine Spuren hinterlassen hat. Sie enthüllen eine Gedenktafel, die
sich an einem Landebein der Fähre befindet. Neben den Unterschriften der
drei Astronauten sowie der Unterschrift des Präsidenten Richard Nixon trägt
sie folgenden Text:
"Hier setzten Menschen vom Planet Erde erstmalig den Fuß auf dem Mond,
Juli 1969, A. D.
Wir kamen in Frieden für die gesamte Menschheit.
Danach stellt Armstrong die Fernsehkamera auf ein Stativ
und richtet sie nach einigen Panorama-Aufnahmen auf die Mondfähre, wo die
Astronauten dann in ihrer unmittelbaren Nähe einige Experimente (Solar Wind
Komposition Experiment)
durchführen und die amerikanische Flagge aufstellen. Millionen von Menschen
können anschließend miterleben, wie Aldrin immer wieder auf die Kamera
zukommt und dabei unterschiedliche Fortbewegungsvarianten ausprobiert, wobei
sich der "Kengeruh-Schritt" als die beste Methode erweist.
Um 23.47 Uhr bittet die Flugkontrolle die beiden
Astronauten vor die Kamera. Es wurde inzwischen eine Sprechverbindung mit
dem Präsidenten hergestellt. Armstrong und Aldrin stellen sich neben die
amerikanische Flagge und hören die Stimme von Richard Nixon. Er sagt unter
anderem:
"Hallo Neil und Buzz! Ich spreche zu Ihnen aus meinem
Büro im weißen Haus. Dies ist wohl der bedeutendste Telefonanruf, der jemals
geführt wurde. Ich finde nicht die Worte, Ihnen zu sagen, wie stolz wir
darauf sind, was Sie getan haben. Ich bin sicher, dass Sie gemeinsam mit uns
Amerikanern erkennen, welch große Leistung das ist." Mit bewegter Stimme
antwortete Armstrong: "Danke Mr. Präsident. Es ist für uns eine große Ehre
hier zu sein, als Repräsentanten nicht nur für die Menschen der Vereinigten
Staaten, sondern auch für die friedvollen Menschen aller Nationen."
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