Die Apollo Missionen
Einführung
Die
NASA erhielt 1961 vom damaligen US-Präsidenten Kennedy den Auftrag,
innerhalb des laufenden Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond und
wohlbehalten wieder zurückzubringen. Dass diese großartige Leistung
realisiert wurde, zeigte aller Welt nachdrücklich, dass die Staaten weder
Kosten noch Mühen scheuten, den technologischen Vorsprung der Russen
aufzuholen, immerhin kostete das Apolloprojekt bis 1972 25 Mrd. Dollar
(diese Summe relativiert sich natürlich etwas, wenn man die geschätzten
100 - 200 Mrd. für SDI, das amerikanische Star-Wars-Programm der
Reagan-Administration, das definitiv keinerlei zivilen Zwecken diente, im
Hinterkopf hat). Außerdem waren umfangreiche wissenschaftliche und
technische Vorbereitungen notwendig, das Apollo-Projekt wurde in mehreren
Stufen durchgeführt. So wurde im Rahmen des Mercury-Projektes die
Trägertechnik, sprich die Rakete, mit der die Nutzlast ins All zu
befördern war, entwickelt und erprobt. Man setzte hier auf
Mehrstufenraketen des Typs Saturn, eine Weiterentwicklung der
Titan-Raketen. Weiterhin mussten die Module für Landung und Rückflug
inklusive der erforderlichen Kopplung/Entkopplung entwickelt und erprobt
werden (Gemini-Projekt), potentielle Landeplätze waren zu erkunden usw.;
man konnte sich einfach keine Panne leisten, schließlich schaute (und
hörte) die ganze Welt gespannt zu, als am 20. Juli 1969 Neil Armstrong als
erster Mensch den Mond betrat, während er seinen Geschichte gewordenen
Satz2 sprach. Dass das Gelingen dieses Unternehmens, das international
einen gewaltigen Prestigegewinn für die Vereinigten Staaten und ihren bis
dahin jüngsten Präsidenten John F. Kennedy brachte, ebenso vielen
Amerikanern das Vertrauen in das nahezu unbegrenzten Potential ihres
Landes wiedergab, war neben der enormen technischen Leistung und dem
Wissenschub, der sich aus der Auswertung der Proben und Aufzeichnungen
ergab, der Grund dafür, dass man trotz der fünf noch folgenden
Apollo-Landungen die von Apollo 11 als den Höhepunkt des Projektes
betrachten kann. Dennoch waren die Amerikaner gründlich - wenn sie schon
einmal auf dem Mond waren, dann sollte er auch erforscht werden, soweit
das damals möglich war. So wurden bei jeder Landung andere Zielpunkte
gewählt, neben den Senken der Meere der Ruhe und des Sturms die
Fra-Mauro-Ebene, das Apenninengebirge, das Descartes-Hochland sowie das
Taurusgebirge. (Dass alle diese Punkte auf der uns zugewandten Seite des
Mondes liegen, hat jedoch allen schnell aufblühenden Vermutungen der
Verschwörungstheorie-Fanatiker zum Trotz einen sehr einleuchtenden
logistischen Grund: Es lag nicht etwa an den auf der erdabgewandten Seite
versteckten Basen der Außerirdischen, die beim Beobachten menschlicher
Paarungsgewohnheiten ungestört bleiben wollten, sondern war vielmehr ein
technisches Problem. Um von der anderen Seite des Mondes einen Funkspruch
zur Erde zu senden oder von dort zu empfangen, wäre (ähnlich wie beim
irdischen globalen Funktelefonverkehr) mindestens eine zusätzliche
Relaisstation notwendig gewesen, die stets von beiden Endpunkten der
Empfangsstrecke aus sichtbar sein müsste, denn bei dem verwendeten
Frequenzband DURCH den Mond zu funken überstiege selbst heute noch unser
Können gewaltig.)
Es wurden bei den sechs Apollo-Mondlandungen insgesamt 390 Kilo Boden- und
Gesteinsproben gesammelt, Tausende von Filmen und Fotos aufgenommen,
nahezu 100 Kilometer per pedes und mit verschiedenartigsten
Transportgeräten (unter anderen Dreirad und Mondmobil) auf der Oberfläche
zurückgelegt; Alan Bean und Charles Conrad von der Apollo-12-Besatzung
sammelten sogar 11 Kilo der Überreste der Surveyor-3-Sonde ein, um eine
Untersuchung längerwährender Umwelteinflüsse des Mondes auf Metall und
Glas zu ermöglichen - wer weiß, vielleicht werden sie dafür irgendwann
einmal mit einem Preis als die Pioniere des kosmischen Recyclings geehrt.
Weiterhin wurden vielfältigste Messungen vorgenommen, so wurden für die
Apollomissionen spezielle Gerätekästen gefertigt, die von den Astronauten
einfach auszusetzen waren und eine Vielzahl unterschiedlichster Messungen
ausführten: es wurde z.B. ermittelt, dass der Mond ein eigenes Magnetfeld
besitzt (Indiz für einen Eisenkern); seine seismischen Aktivitäten zwar
wesentlich geringer als die der Erde, jedoch durchaus messbar waren;
weiterhin wurden von hier aus das Sonnen- und Erdmagnetfeld gemessen;
Richtung, Dichte und Geschwindigkeit des Sonnenwindes (-> kontinuierliche
Teilchenstrahlung, die auf Grund der thermonuklearen Prozesse im Inneren
der Sonne von dieser ausgeht); die Wärmeverteilung über die obersten
Schichten der Mondoberfläche und der Schichtenaufbau bis in 5 Kilometer
Tiefe wurden ermittelt; mit einem Laser-Retroreflektor wurde die
Entfernung Erde-Mond auf 15 Zentimeter genau ermittelt (das entspricht
einer Abweichung von 1/40000 Promille!), weiterhin wurden Spektrografien
stellarer UV-Quellen gemacht. Dennoch wuchs mit der Zahl der Mondausflüge
amerikanischer Astronauten der Unmut so manches Zeitgenossen: die Kosten
für die Mondflüge seien sowieso viel zu hoch (astronomisch sozusagen) -
gemessen an den Ergebnissen, ungefährlich war das Ganze schließlich auch
nicht, wie die 3 Toten von Apollo 1 sowie die mit der lapidaren
Untertreibung ("Houston, wir haben ein Problem...") Geschichte gewordene
Beinahe-Katastrophe von Apollo 13 bewiesen; schließlich sei nun auch dem
Letzten klar, dass der Mond nur ein gottverdammter toter Gesteinsbrocken
und den ganzen Aufwand gar nicht wert sei; wenn die Russen damit glücklich
würden, mit ihren Mondmobilen drauf rumzukurven, bitte sehr, sollten sie
nur, immerhin hatte man ihnen doch mit Armstrong, Aldrin und all den
anderen Mondtouristen gründlich gezeigt, wo Hammer und Sichel hingen, und
außerdem, der kalte Krieg war nach gerade überstandener Kubakrise sowieso
schon fast Schnee von gestern, es hatten sowohl die Sowjets als auch
Amerika Moskauer Abkommen und Atomwaffensperrvertrag unterschrieben;
sollte Nixon doch gefälligst billigere Raketen nehmen, wenn er schon nicht
auf sie verzichten wollte, und stattdessen bitteschön lieber endlich die
Jungs aus ‘Naam zurückholen, nachdem er es nicht mal geschafft hatte,
diese paar Hungerleider wie versprochen in die Steinzeit zurückzubomben,
und - ach ja - wie war das nun eigentlich nochmal genau mit Watergate?
Wie diese (zugegebenermaßen frei erfundene) Meinungscollage illustrieren
soll, hatte die aus dem Nachkriegs-Babyboom heranwachsende mittsiebziger
Generation tatsächlich andere, handfestere Interessen als ausgerechnet die
Raumfahrt, es gab trotz des steten wirtschaftlichen Aufschwunges Probleme,
die zur allmählichen Verelendung ganzer Bevölkerungsschichten führten, und
die man mit dem in die Raumfahrt investierten Geld lindern, wenn auch
keinesfalls verhindern konnte, denn diese Probleme waren zum einen Folge
der schnell wachsenden Bevölkerung in den Städten, andererseits ergaben
sie sich unter anderem aus dem exponentiell wachsenden
technisch-organisatorischen Knowhow, das die Produktivität bei
gleichzeitiger Senkung der Beschäftigtenzahlen dennoch weiter wachsen
ließ, und so hieß die Devise trotz entrüsteter Proteste vieler
Wissenschaftler einmal mehr: Sparen, sparen, sparen! Ausserdem war noch
unter Nixon bereits das nächste Projekt abgesegnet worden, es sollte
endlich Schluss sein mit der Verschwendung teuerer Technik, die für jeden
Start neu hergestellt und bezahlt werden musste, auch wenn viele der aus
Sicherheitsgründen mehrfach vorhandenen Komponenten des
Nutzlasttransporters eigentlich für eine wesentlich langlebigere Funktion
konzipiert waren, somit war die Idee für das Shuttle-Projekt geboren: ein
wiederverwendbarer Raumtransporter, der zudem eine wesentlich größere
Nutzlast befördern könnte, als die bisher verwendeten Einwegsysteme, die
allmählich den Erdorbit zumüllten. Auch mit Blick auf die mittlerweile zu
einer festen Einrichtung gewordene bemannte russische Weltraumstation Mir,
die sich als Ankoppelpunkt und Montageplattform für spätere größere
Projekte anbot - egal ob man nun eine feste Installation auf dem Mond oder
die Entsendung von Menschen auf den Mars plante - war diese Idee eine
richtungsweisende, wenn auch die Erprobung wegen oft im letzten Augenblick
entdeckter Unzulänglichkeiten sich über mehr als drei Jahre hinzog, aber
das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.
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